Aus "Licht und Architektur", (Bertelsmann Fachzeitschriften)

Künstlerische Lichtgestaltung bei "Wetten, dass..?"

Die Beleuchtung von Bühnenshows ist ein sehr spezielles Gebiet der Lichtplanung, das besondere Leuchten hervorgebracht hat. Manfred Voss, Hamburg, ein erfahrener Planer, berichtet wie die Erfordernisse der Show mit den technischen Ansprüchen gekoppelt werden.

"Wetten, dass..?" besetzt eine Ausnahmeposition in der europäischen Fernsehlandschaft. Keine andere Fernsehshow hat es je geschafft, über nunmehr 25 Jahre mit ein- und demselben Konzept eine derart überdominante Präsenz am Markt der Unterhaltungsshows zu besetzen und dies mit regelmäßigen Traum-Einschaltquoten von 13 bis 25 Millionen Zuschauern pro Sendung. Die Gründe hierfür liegen nicht nur in der richtigen Mischung von Talk-, Spiel- und Musikshow, sondern in der ganz speziellen Umsetzung und Kombination jeder dieser drei "Säulen".

Ein wesentlicher Baustein dieser Säulen ist die für den Fernsehzuschauer nur unbewusst wahrnehmbare Installation der Beleuchtung und Bühnentechnik. Charakteristisch, ja gerade einzigartig für diese Sendung ist die Kombination von künstlerischer Lichtgestaltung mit ständig wechselnden und äußerst aufwendig gestalteten Bühnenbildern. Besonders deutlich wird dies bei den musikalischen Showblöcken, in denen für jeden der fünf Stars einer Sendung ein eigenes Bühnenbild und hierzu eine entsprechende Lichtchoreografie entworfen und gebaut wird. Einzigartig wohl deshalb, weil bei fernsehüblichen Produktionszeiten von 3 bis 10 Tagen in der Regel keine Zeit bleibt für derart ausgefeilte Installationen. Hier kommt die im Laufe der Jahre angesammelte Erfahrung zur Geltung sowie der Gebrauch der zur jeweiligen Zeit immer aktuellsten Technik.

Die Lichttechnik ist dabei immer eine Kombination aus traditionellen Halogenscheinwerfern mit Fresnelloptik und neuester Movinglight-Technologie. Das Halogenlicht ist gedacht als funktionelles Licht für Führung, Aufhellung und Hinterlicht im Talk- und Spielbereich der Wettkandidaten und Gäste. Die Movinglights dominieren als einzige Beleuchtungsmittel auf der Musikbühne sowie als Deko- und Effektlichtlampen auf der Wettbühne und im Publikum.

Grundlage jeder Planung ist die Erstellung eines für jede Sendung abgestimmten Lichtplanes, in dem Eckdaten wie Lampentypen, Anzahl und Ausführung auf die jeweiligen Gegebenheiten der Sendung abgestimmt werden. Hierfür zeichnet sich der erste Kameramann des ZDF, Herr Michael Donecker, verantwortlich.

Für die Ausstattung des Show- und Effektlichtes bedient man sich aus einem Grundkontingent von ca. 170 kopfbewegten Movinglights, welches durch special Effects, wie z.B. 70 kW-Stroboskopen oder neuester LED-Technologie ergänzt wird. Die Auswahl und Platzierung der Movinglights werden bestimmt durch ihr auf die jeweilige Aufgabe zugewiesenes Einsatzgebiet. Da längst nicht jedes Movinglight allen Belangen der künstlerischen Lichtgestaltung gerecht werden kann, ist es wichtig, gerade auf der Musikbühne von "Wetten, dass..?" einen ganz bestimmten Mix aus speziell auf ihre Aufgabe abgestimmten Movinglight-Typen zu platzieren.

Wir benutzen den MAC2000Wash, MAC2000 Performance MAC700Spot, MAC550 der Firma Martin sowie den VL1000 der Firma Varilite als Movinglights.

Der Martin MAC2000 Wash besticht durch seinen 1200 W-Brenner in Verbindung mit einem stufenlosen Fokus. Hierdurch ist es möglich, sowohl Bühnenbildelemente klassisch auszuleuchten als auch Lichtbeams mit einem Abstrahlwinkel - vergleichbar dem eines PAR64 CP60-Brenners - zu erzeugen. Der "MAC700," der Firma Martin Professional besetzt in seiner Funktion als Spotlight sowohl die Position einer Effektlichtlampe mit guten Beameigenschaften als auch die Möglichkeit der effektvollen Ausleuchtung von Bühnenbildelementen. Er verfügt über zwei überlagerbare Goboräder, die ihrerseits noch von einem rotierenden Prisma überlagert werden können. Dadurch ergeben sich eine Vielzahl interessanter Projektionsmuster und Beameffekte.

Sind alle Lampen von ZDF-Lichtdesigner und ersten Kamermann Herrn Michael Donecker plaziert, beginnt die Arbeit der Vorproduktion. Wir entwerfen hierzu mit dem CAD-Programm "Vectorworks" vorerst einen technischen Plan des Lichtgitters, inklusive aller zu platzierenden Beleuchtungskörper. Danach konstruieren wir ein 3D-Modell der Halle mit allen in ihr platzierten Dekoelementen. Das Zusammenfügen beider 3D-Zeichnungen erfolgt in einem Arbeitsschritt, so dass hier wertvolle Zeit schon bei der Planung eingespart werden kann. Es handelt sich hierbei um ein 3D-Programm, ähnlich 3D-Studio Max, bei dem jedoch alle für die Beleuchtungsindustrie gängigen Installationssysteme, wie Traversen, Motoren und Stahlkonstruktionen, viele vorgefertigte Bühnen- und Dekoelemente, wie Musikequipment etc. sowie sämtliche auf dem Markt befindlichen Beleuchtungskörper in einer Library als 3D-Modelle angelegt sind.

Wir bekommen so in relativ kurzer Zeit einen Überblick darüber, ob das Traversen- und Lichtkonzept in Verbindung mit den verschiedenen geplanten Bühnenbauten harmoniert bzw. wo es Engpässe (z.b. mit Movingtrussen) gibt. Dies ist meist nur in einer 3D-Ansicht möglich und für eine Sendung in dieser Größenordnung unabdingbar. Ein straffer Zeitplan vor Ort erlaubt keinerlei Umbauten und eine Fehlkonstruktion kann eine ganze Produktion gefährden. Sind alle Pläne und Ansichten erstellt, beginnt die Arbeit in unserem Wysiwyg-Studio. Ein spezielles Visualisierungsprogramm (ESP-Visions) erlaubt uns die Lichtkonsole, welche auch vor Ort zum Einsatz kommen wird, über ein Interface mit der CAD-Workstation zu koppeln. Dabei ist das Wysiwyg-Programm als Aufsatz auf das vorhandene Vectorworks zu verstehen, mit dem die 3D-Ansichten erstellt wurden. Über die Lichtkonsole haben wir nun die Möglichkeit, jede einzelne Lampe des 3D-Plottes anzusprechen und zwar mit allen ihr zur Verfügung stehenden Funktionen. Das heißt, wir können in Realtime den Dimmer öffnen und schließen, die Lampe bewegen, die Farben und Gobos wechseln, die Iris verändern, das Prisma drehen etc. Wir können somit an der Workstation in Realtime den größten Teil aller erforderlichen Lichtstimmungen im Vorfeld erstellen und bekommen so auch schon mal ein Gefühl dafür, was geht und was nicht geht. Veränderungen des Konzeptes sind immer noch möglich und das Endprodukt bekommt so eine ganz andere Qualität.

Hierbei erzielen wir eine Genauigkeit der Positionierung von +/- 5 cm auf eine Lampendistanz von 10 m. Voraussetzung ist die exakte Eingabe aller CAD-Daten im Vectorworks sowie eine hohe Positionierungsqualität der eingesetzten Movinglights. Sind alle Vorprogrammierungen erfolgt, so muss das gesamte System samt Traversenunterkonstruktion in ca. 3 Tagen vor Ort installiert werden. Im Idealfall wird am 3. Tag nur noch die vorprogrammierte Lichtkonsole angeschlossen und das Licht "spielt".