StageReport TV-Beleuchtung

Warum "Wetten, dass..?" die Beleuchtung von Marketing-Events beeinflußt

Wir haben Dipl.-Ing. Manfred Voss von der Production Company voss | mediaDesign zu den Eigenheiten der Show-Beleuchtung für TV-Produktionen und die Gemeinsamkeiten zu Marketing-Events befragt.

StageReport: Herr Voss, wie muss ein Show-Part konzipiert sein, um auf dem Bildschirm attraktiv zu wirken?

Manfred Voss: Nun, das kann man sicherlich nicht in einem Satz beantworten. Design und - in diesem Falle - Licht-Design muss einem ständig kreativen Wandel unterworfen sein, um dem sich verändernden Zeitgeist gerecht zu werden. Die einzige Konstante ist der Wandel - so könnte man das universelle Prinzip des Informationszeitalters allgemein definieren. Das Fernsehen ist und bleibt dabei das zentrale Medium.

Das Design von Showparts im Fernsehen orientiert sich gern an der Videoclip-Landschaft bekannter Musiksender. Die Herausforderung MTV hat sich mittlerweile vervielfacht. Viva, Qnyx und VH1 sind mehr als nur Verbeugungen der Ästhetik vor dem Zeitgeist, und gewachsene Ansprüche gegenüber Show und Musik-Entertainment sind die nachhaltige Folge. Ist der Look zeitgemäß, lautet die Gretchenfrage, Programminhalte und natürlich die Art der Präsentation entscheiden über die Einschaltquoten von heute und morgen.

Ich denke, der ebenso behutsame wie bewährte Umgang mit modernster Technologie bildet hierbei das Portal hin zu einem gleichermaßen kreativen wie technisch innovativ gestaltetem Show-Programm. Dabei ist es ergo nicht allein die Technik selbst, die im Focus stehen sollte, es gilt, die "Computer-Generation" zu faszinieren — im übrigen die erste Generation der Geschichte, die nicht abgelöst wird, sondern modifiziert. Wir sprechen also von einer Zielgruppe, die kontinuierlich wächst.

StageReport: Was ist bei der Beleuchtung von TV-Shows hinsichtlich der Aufnahmekamera zu beachten?

Voss: Gab es früher noch erhebliche technische Einschränkungen durch den Einsatz der über Jahrzehnte gängigen Röhrenkameratechnologien, so sind die heutigen Einsatzmöglichkeiten moderner Kamerasysteme hinsichtlich der Lichtgestaltung nahezu unbegrenzt. Lediglich in der Farbauswahl bedarf es einer gewissen Routine des Licht-Designers, die gewünschten Farbnuancen auf dem Fernsehschirm wiederzugeben. Dies liegt erstens daran, daß auch modernste Kameras nicht das gesamte Farbspektrum des für den Menschen sichtbaren Spektral-Bereiches wiedergeben können, und zweitens daran, daß alle Kameras einer Produktion immer auf ein ganz spezielles Farbspektrum - meist 3.200 Kelvin - eingemessen werden müssen, um keine farblichen Unterschiede zwischen zwei oder mehr beteiligten Kameras zu erhalten. Da das menschliche Auge jedoch fortwährend Farbanpassungen an die jeweilige Beleuchtungs- und Umgebungslichtsituation durchführt, kann es vorkommen, daß zum Beispiel ein Lavender-Farbton auf der Bühne auf dem Fernsehmonitor blau erscheint, und das gleiche Lavender bei einer Open-Air-Produktion bei bewölktem Himmel wie ein kräftiges Pink aussieht — auf dem Monitor jedoch bei gleichem Weißabgleich auf 3.200 Kelvin seinen Blauton beibehält. Um zügig arbeiten zu können, ist daher viel Erfahrung im Umgang mit diesen Mechanismen von großem Vorteil.

StageReport: Was ist wichtiger: die korrekte Ausleuchtung von Moderatoren, Show-Acts und Kulissen oder die atmosphärische Wirkung beim Live-Publikum im Studio beziehungsweise auf dem Bildschirm?

Voss: Die korrekte Ausleuchtung von Moderatoren und Aktionsflächen gehört zum Handwerk eines jeden guten Licht-Designers und bildet erst die Vorraussetzung zur akzentuierten und atmosphärischen Lichtgestaltung. Hier gelten komplizierte Gesetzmäßigkeiten, die bei falscher Anwendung die Einrichtung eines atmosphärischen Lichtes nahezu unmöglich machen. Die Wertigkeit eines emotions- und stimmungsgeladenes Lichtes kann im Hinblick auf ihre zuerst gestellte Frage gar nicht hoch genug angesehen werden. Selbst eine Show, die ganz ohne "Musik-Acts" auskommt, wie die Show "Wer wird Millionär" mit Günter Jauch, lebt von der Spannung, die sich aus der Stimmungssymbiose eingespielter Musik-Trailer und im Timing perfekt darauf abgestimmter Lichtstimmungen ergibt. Hier haben die Holländer schon immer ein sehr feines Gefühl für atmosphärische Lichtinstallation im Fernsehbereich bewiesen.

StageReport: Wie sind die Kompetenzen zwischen dem Licht-Designer und dem Kameramann geregelt?

Voss: Ist der Licht-Designer nicht gleichzeitig 1. Kameramann, so ist der Licht-Designer für die künstlerische Umsetzung des Lichtkonzeptes verantwortlich. Der 1. Kameramann kümmert sich dann um die reine Weißlichtausleuchtung von Moderatoren und Kandidaten.

StageReport: Gibt es Regeln, die bei der Programmierung von Moving Lights hinsichtlich der Farbe, der Bewegung der Effekte zu beachten sind?

Voss: Ein gutes Licht bei Fernsehshows orientiert sich immer an Gegebenheiten wie Bühnenbilder, Choreografien von Künstlern und natürlich am Künstler selbst und seiner Musik. Alles was man speziell mit Moving-Lights macht, sollte sorgfältig durchdacht sein, da die immensen Möglichkeiten, die in solchen Lampen stecken, richtig eingesetzt sein wollen. Eine teure Moving-Light-Anlage kann sich so bei falscher Bedienung schnell Imageschädigend für das Programm oder den Sender auswirken . Hier spielt natürlich die künstlerisch-musikalische Befähigung des Licht-Designers und Operators eine ganz entscheidende Rolle. Musikalisch abgestimmte Licht-Choreografien, die dem Stimmungsbogen der Musik und der vom Künstler dargestellten Performance in einer Art Licht-Dramaturgie dynamisch folgen, sind hierbei "the state of the art". Pauschalrezepte hierfür wird es allerdings ebenso wenig geben wie die Gebrauchsanweisung zur Herstellung eines Musik-Videoclips. Nur die Individualität und künstlerisch-musikalische Kreativität der Menschen die dahinter stehen, und nicht etwa die Anzahl der Lampen oder die jeweils neueste und damit auch teuerste Ausführung, ist hierbei der Schlüssel zu einer perfekten Licht-Inszenierung.

StageReport: Wie reagiert die Kamera auf den Einsatz von Bühnennebel?

Voss: Richtig dosierter Bühnennebel ist heutzutage ein gängiges Mittel zur Erzeugung von Licht-Beams. Ich unterscheide dabei zwei verschiedene Arten von Beams: Sie dienen einerseits zur atmosphärischen Darstellung beispielsweise eines Raumes innerhalb einer TV-Show und unterstützen andererseits kräftige Lichtakzente innerhalb eines Showparts. Die erste Sorte Beam ist ein seichter Beam —erzeugt durch einen Crack-Nebel. Dieser stört in den seltensten Fällen im Kamerabild, da er sehr fein ist.

Die zweite Sorte Beam wird erzeugt durch einen sehr dichten Nebel, der durch seine Intensität für den Lichtstrahl ein wesentlich höheres Reflektionsmedium darstellt und dadurch den Beam wesendlich heller wirken lässt. Diese Sorte Nebel muss vorsichtig dosiert werden, da sie schnell zu Rauchschwaden führen kann, welche eventuell ins Kamerabild ziehen und so das Kamerabild verschlechtern. Ebenso ist es sehr wichtig, von der Kameraseite her grundsätzliche Gesetzmäßigkeiten zu beachten: So sollte bei häufigem Nebeleinsatz auf lange Brennweiten verzichtet werden, da diese Objektive durch ihre starke Telewirkung den gesamten zwischen der Kameraoptik und dem Künstler befindlichen Nebel sozusagen komprimiert, und diese Bilder dann in der Regel sehr milchig werden.

StageReport: Wäre es sinnvoll, die Eigenheiten der TV-Showbeleuchtung auf Live-Shows im Rahmen von Marketing-Events zu übertragen?

Voss: Beachtet man meine Erläuterungen zu ihrer zuerst gestellten Frage, so ist dies nicht nur sinnvoll, sondern dringend anzuraten. Sehgewohnheiten werden vor allem durch unsere TV-Landschaft geprägt. Die Vorgaben, welche uns der Zeitgeist setzt, zu ignorieren und dennoch ein modernes Image zu suggerieren, ist heutzutage ein Ding der Unmöglichkeit. Hier geben eindeutig die Erwartungshaltungen, hervorgerufen von Film, Fernsehen und Internet, den Rhythmus vor. Ich spreche hier aus eigener Erfahrung. Eine Sendung wie "Wetten daß..? gibt hierzu ein gutes Beispiel ab. Wir betreuen die Veranstaltungstechnik für den Show-Bereich von "Wetten daß..?", die die Ansprüche der Menschen hinsichtlich ihrer Ansprache im Show-Bereich prägt. Ein Industrie-Event lebt daher heute von der Faszination, die aus dem Dialog von Kreativität und Technik erwächst.

StageReport: Manfred Voss, vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen und weiterhin viel Erfolg.