Neue Moving Lights bei "Wetten, dass..?" im Einsatz

Von vielen Branchenkennern wurde der Schritt von voss | mediaDesign GmbH, mit dem Coemar i.Spot 575 EB ein brandneues Moving Light für das Showlicht bei dieser Fernsehshow einzusetzen, mit Erstaunen zur Kenntnis genommen. PRODUCTION PARTNER traf sich mit Designer Manfred Voss, um mit ihm über seine praktischen Erfahrungen mit den neuen Coemar-Produkten zu sprechen.

Bereits in der PRODUCTION PARTNER-Ausgabe 4/2010 veröffentlichten wir einen ersten, ausführlichen Praxistest über die neuen Coemar Moving Lights i.Spot und i.Wash 575 EB. Im folgenden Interview geht es um erste praktische Anwendungen des neuen Moving Lights im schwierigen TV-Bereich.

Interview Manfred Voss

Production Partner: Wie kam es dazu, dass ihr euch für die aktuelle Staffel von "Wetten, dass..?" für den Coemar i.Spot 575 EB entschieden habt?

Manfred Voss: Eigentlich begannen Überlegungen über alternatives Equipment schon Mitte letzten Jahres nach Abdrehen der vorherigen Staffel. Wir waren auf der Suche nach einem Scheinwerfer, der uns am besten einen Kompromiss aus unseren Ansprüchen anbietet. Dabei geht es in erster Linie um die Qualitäten der rotierenden Gobo-Räder, gleichmäßige Bewegungen, ein geringes Gewicht und einen attraktiven Preis. Dass wir das nicht so leicht finden würden, war uns auch klar. Aber als wir den Coemar i.Spot zum ersten Mal sahen, war unser Interesse geweckt.

Der Preis eines Moving Lights ist für mich insofern ein wichtiges Argument, da ich gerne mit flächendeckenden Mustern arbeite, und die bekomme ich natürlich nicht mit ein paar Scheinwerfen hin. Hier macht es ganz klar die Menge. Erst wenn man genügend Gobos ineinander verlaufen lassen kann, bekommt man einen Effekt hin, der einem das Gefühl vermittelt eine Flächenprojektion zu sehen.

PP: Wenn du gerne mit vielen Scheinwerfern arbeitest, dann ist für dich sicherlich auch das Gewicht der Lampen ein Thema?

M.V.: Ja, und deshalb waren wir von der ersten Version der i.Spots zunächst ein wenig enttäuscht. Diese Version war mit einem magnetischen Vorschaltgerät ausgestattet, das ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Zum Glück war aber damals schon klar, dass es kurze Zeit später eine Version mit elektronischem Vorschaltgerät geben würde, so dass uns die Entscheidung leichter fiel. Wir haben jetzt in unserem Rigg auf der Showbühne ca. 100 Coemar i.Spots ~75 EB hängen, da macht der Unterschied zwischen magnetischem und elektronischem Vorschaltgerät schnell über i t aus. Und solche Größenordnungen sind auch für das Rigging manchmal von entscheidender Bedeutung.

PP: Wie lautet deine Meinung zur Ausstattung des i.Spot 575 EB?

M.V.: Zum einen gefällt mir die weiche Bewegung der Scheinwerfer, die nicht zuletzt aus dem niedrigen Gewicht des Kopfes resultiert. Aber vor allem gefällt mir die Gobo-Auswahl, die mir - zusammen mit den sehr sorgfältig ausgewählten Farben - die Möglichkeit gibt, immer wieder unterschiedliche Looks zu erzeugen. Und speziell bei den Farben war ich positiv überrascht. Zwar bietet der i.Spot keine CMY-Mischung, aber durch die Verteilung der verschiedenen Farben auf die beiden Farbräder kann man diese immer wieder neu und sinnvoll mischen. Hier gilt wirklich, dass man aus zwei Farbrädern mit je sechs Farben plus Open wirklich 42 Farben herausholen kann. Bei Coemar scheint man sich über einige Features sehr gründliche Gedanken gemacht zu haben. Allerdings sind die Wechsel von Farben und Gobos noch sehr langsam, was durchaus verbesserungswürdig ist. Aber die Gobos gefallen mir. Insbesondere bei mehrfarbigen Gobos ist es in der Regel schwierig, eine Farbanordnung zu finden, so dass man durch Darüberlegen einer Farbe vom Farbrad einen sinnvollen neuen Effekt erzielt. Aber eben einen solchen Effekt konnte ich bei meinem Design für den Auftritt von David Bowie ausprobieren und habe sehr gute Ergebnisse erzielt. Damit hat man bei einer Fernsehsendung den großen Vorteil, dass man verschiedene Looks in der Show abrufen kann und trotzdem optisch im gleichen Thema bleibt.

Kameralicht und Show-Licht

PP: Wie wird denn generell die Aufteilung zwischen Kameralicht und Show-Licht für "Wetten, dass..?" realisiert?

M.V.: Die Bühne ist in drei Teile aufgeteilt: In der Mitte haben wir den Talkbereich, in dem auch das Sofa steht und wo Thomas Gottschalk die Gäste begrüßt und sich mit ihnen unterhält. Auf der rechten Seite gibt es den Wettenbereich und links ist der Showbereich angeordnet. Das reine Weißlicht wird in allen Bereichen von einer Redondo-Konsole gesteuert. Das Effekt- bzw. Dekolicht im Talkbereich wird über eine ZDF-eigene WholehogII gesteuert. Diese WholehogII steuert auch das Effektlicht im Wettenbereich. Ich selber nutze ebenfalls eine WholehogII und steuere das Effektlicht auf der Showbühne. Normalerweise ist die Abstimmung zwischen Weißlicht und Effektlicht immer ein großes Problem, da wir für das Effektlicht natürlich eine möglichst geringe Grundhelligkeit brauchen, um so unsere Effekte darüber legen zu können. Für die Kamera ist dies aber meist zu kontrastreich, so dass Gesichter und Personen nicht mehr richtig gezeigt werden können. Somit erfordert Fernsehlicht immer einen Kompromiss.

Was uns bei "Wetten, dass..?" zugute kommt, ist einfach die Tatsache, dass wir schon seit mehreren Jahren zusammenarbeiten und uns somit optimal aufeinander einstellen können. Auf Grund dieser langen Zusammenarbeit konnte ich auch durchsetzen, dass mir auf der Showbühne eine eigene Kamera zur Verfügung steht, so dass ich auf einem Vorschaumonitor an meinem Pult eine reale Vorschau habe, nach der ich programmiere. Schließlich unterscheiden sich die Farben und Kontraste der Kamera sehr von dem optischen Empfinden des menschlichen Auges.

PP: Wie bist du mit der Zuverlässigkeit der i.Spots zufrieden? Schließlich handelt es sich um ein nagelneues Produkt.

M.V.: Das ist wohl die größte Überraschung. Meine Techniker haben mir mitgeteilt, dass sie im Verlauf der vier Sendungen der aktuellen Staffel insgesamt zwei oder drei Scheinwerfer vorsorglich getauscht haben, um einen reibungslosen Ablauf der Show garantieren zu können. Ich selber habe bisher keine Probleme mit den i.Spots gehabt und bei ca. 100 Geräten im Rigg ist das schon etwas Besonderes.

PP: Vielen Dank für das Gespräch.

Autor: Franziskus Scharpff
Fotos: Manfred Voss

Aus Production Partner 04/11